15 Min. LesezeitJuni 2026Martin Frost

Innovationsgutschein 2026: Alle 16 Bundesländer im Vergleich — bis zu 20.000 € für externe Innovation

Baden-Württemberg zahlt bis zu 20.000 €, Thüringen bis 10.000 €, Brandenburg bis 15.000 € — als echter Zuschuss für externe FuE-Leistungen, Machbarkeitsstudien und Schutzrechtsprüfungen. Die vollständige Bundesländer-Übersicht mit Antragslinks und Rechenbeispielen.

bis 20.000 €

Zuschuss (BW Premium)

50 % Fördersatz

in fast allen Bundesländern

4–6 Wochen

typische Bearbeitungszeit

nicht rückzahlbar

echter Zuschuss

externe Leistungen

Hochschulen, Fraunhofer, Steinbeis

12 von 16

Bundesländer mit eigenem Programm

1Was ist ein Innovationsgutschein — und warum ist er für KMU ideal?

Der Innovationsgutschein ist das niedrigschwelligste Innovationsförderprogramm in Deutschland: kein aufwendiger Businessplan, kein mehrstufiges Begutachtungsverfahren, keine Mindestprojektgröße von mehreren hunderttausend Euro. Stattdessen eine einfache Logik — das Bundesland bezahlt die Hälfte davon, wenn ein KMU externe Innovationsdienstleistungen einkauft.

Das Prinzip dahinter: Viele KMU haben gute Produktideen oder Prozessoptimierungspotenziale, aber kein eigenes Ingenieur- oder FuE-Personal, um diese umzusetzen. Der Innovationsgutschein schließt diese Lücke, indem er die Kosten für externe Experten — Hochschulen, Fraunhofer-Institute, Steinbeis-Zentren, akkreditierte Ingenieur- und Beratungsunternehmen — zur Hälfte subventioniert.

Was unterscheidet den Innovationsgutschein von anderen Förderprogrammen? Erstens die Geschwindigkeit: Während ZIM-Anträge 6–9 Monate Bearbeitung benötigen und GRW-Anträge bis zu einem Jahr, dauert ein Innovationsgutschein-Antrag oft nur 4–8 Wochen. Zweitens die Einfachheit: Der Antrag umfasst meist 2–5 Seiten, keine vertieften technischen Projektbeschreibungen. Drittens die Flexibilität: Was genau der externe Dienstleister untersucht oder entwickelt, ist dem Unternehmen überlassen — solange der Innovationsbezug klar ist.

Wichtig: Der Innovationsgutschein fördert externe Leistungen — nicht eigene Personalkosten, nicht Maschinenkäufe, nicht Marktforschung ohne Innovationsbezug. Das ist der häufigste Irrtum. Wer ein Forschungsinstitut oder Ingenieurbüro für ein konkretes technisches Problem beauftragt, ist der ideale Kandidat.

2Alle 16 Bundesländer im Überblick: Wer zahlt wie viel?

Die Innovationsgutscheine sind Länderprogramme — jedes Bundesland hat sein eigenes Programm mit eigenen Namen, Konditionen und Antragsstellen. Die folgende Übersicht zeigt den aktuellen Stand 2026. Prüfen Sie die aktuellen Konditionen immer direkt bei der zuständigen Landesförderbank, da sich Fördersätze und Budgets unterjährig ändern können.

BundeslandProgrammMax. ZuschussAntragsstelle
Baden-WürttembergInnovationsgutschein BW Basic / Premium7.500 € / 20.000 €bw.de/innovationsgutschein
BayernInnovationsgutschein / BayTOUbis 10.000 €Bayern Innovativ / LfA
BerlinPro FIT Frühphase / TSBbis 15.000 €IBB / Investitionsbank Berlin
BrandenburgInnovationsgutschein Brandenburgbis 15.000 €ILB Brandenburg
BremenBremer Innovationsgutscheinbis 7.500 €BAB Bremen
HamburgInnovationsförderung Hamburgbis 10.000 €IFB Hamburg
HessenHessen Innovationsförderung KMUbis 8.000 €Hessen Trade & Invest
Mecklenburg-Vorp.EFRE Technologietransfer MVbis 10.000 €Aufbaubank MV
NiedersachsenNBank Innovationsförderungbis 10.000 €NBank Niedersachsen
NRWEFRE Transferprogramm NRWbis 12.500 €NRW.BANK
Rheinland-PfalzInnovationsgutschein RLPbis 7.500 €ISB Rheinland-Pfalz
SaarlandInnovationsgutschein Saarlandbis 7.500 €SIKB / EFRE Saarland
SachsenTechnologietransferförderung SABbis 15.000 €SAB Sachsen
Sachsen-AnhaltEFRE Innovation KMU LSAbis 10.000 €IB Sachsen-Anhalt
Schleswig-HolsteinInnovationsgutschein SHbis 7.500 €WTSH Schleswig-Holstein
ThüringenThüringer Innovationsgutscheinbis 10.000 €LEG Thüringen / TAB

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3Baden-Württemberg: Der Benchmark — Basic vs. Premium im Detail

Der Innovationsgutschein Baden-Württemberg gilt bundesweit als der am besten ausgestaltete und bekannteste — mit dem höchsten Förderbetrag (bis 20.000 €), einer klaren Zwei-Stufen-Struktur und einem bewährt einfachen Antragsverfahren über das Online-Portal des Wirtschaftsministeriums BW.

Innovationsgutschein BW Basic: Fördert erstmals oder selten innovierende KMU mit bis zu 100 Mitarbeitern. Förderfähige Kosten: bis 15.000 €, Zuschuss 50 % = maximal 7.500 €. Der Basic-Gutschein ist gedacht für KMU, die zum ersten Mal externe Innovationsdienstleistungen in Anspruch nehmen — ideal als Einstieg. Antragsvoraussetzung: Das Unternehmen hat in den letzten 2 Jahren noch keinen BW-Innovationsgutschein erhalten.

Innovationsgutschein BW Premium: Für KMU mit bereits nachgewiesener Innovationserfahrung. Förderfähige Kosten: bis 40.000 €, Zuschuss 50 % = maximal 20.000 €. Deutlich breitere Liste förderfähiger Leistungen: neben technischer FuE auch Design, Marktanalysen mit Innovationsbezug, Schutzrechtsstrategie und komplexe Machbarkeitsstudien. Voraussetzung: Unternehmen hat bereits einen Basic-Gutschein erhalten oder kann anderweitig nachweisen, dass es aktiv innoviert.

Besonderheit BW: Geförderte Leistungen müssen bei anerkannten Dienstleistern eingekauft werden — Hochschulen und Fachhochschulen automatisch anerkannt, private Anbieter müssen mindestens 2 Ingenieure oder Naturwissenschaftler mit Hochschulabschluss beschäftigen und ihre FuE-Expertise nachweisen. Die Liste akkreditierter Dienstleister veröffentlicht das Wirtschaftsministerium BW.

Tipp: Wenn Sie in BW ansässig sind, beginnen Sie immer mit dem Basic-Gutschein — auch wenn Ihr Projekt 25.000 € externe Kosten hat. Kaufen Sie die ersten 15.000 € mit dem Basic-Gutschein, warten Sie auf den Verwendungsnachweis, und beantragen Sie dann den Premium-Gutschein für die Folgephase. So maximieren Sie den Gesamtzuschuss.

4Was genau fördert der Innovationsgutschein? Förderfähige Leistungen im Detail

Die förderfähigen Leistungen sind klarer definiert als bei vielen anderen Förderprogrammen — aber es gibt mehr Spielraum als die meisten denken. Folgende Leistungsarten sind in nahezu allen Bundesländern förderfähig.

Technische Machbarkeitsstudien: Ein externer Ingenieur oder ein Forschungsinstitut prüft, ob eine Produktidee technisch realisierbar ist — und unter welchen Bedingungen. Das ist der klassische Anwendungsfall: Sie haben eine Idee, wissen aber nicht, ob sie funktioniert. Der Gutschein finanziert die Antwort.

Entwicklung von Prototypen und Demonstratoren: Die externe Entwicklung eines funktionsfähigen Erstmusters oder Labortests. Wichtig: Die Entwicklung muss beim externen Dienstleister stattfinden — nicht im eigenen Betrieb mit eigenen Mitarbeitern. Der Dienstleister kann aber in Ihren Räumen arbeiten.

Schutzrechtsrecherchen und Patentierungsstrategie: Patentrecherchen (gibt es bereits Schutzrechte auf meine Idee?), Freedom-to-Operate-Analysen und die Entwicklung einer Patentierungsstrategie durch ein Patentanwaltsbüro. Besonders wertvoller Baustein: In BW sind auch die Anwaltskosten für die eigentliche Patentanmeldung anteilig förderfähig.

Normungs- und Zertifizierungsberatung: Externe Beratung zur CE-Kennzeichnung, zu produktspezifischen Normen (DIN, ISO, EN) und zu Zertifizierungsstrategien für neue Produkte. Häufig unterschätzt — gerade für Maschinenbau und Medizintechnik eine enorme Zeitersparnis.

Software- und Systementwicklung mit Innovationsbezug: Wenn ein externes Softwarehaus oder IT-Institut spezifische, neuartige Software für Ihr Unternehmen entwickelt (keine Standard-Software-Implementierung). Abgrenzung: Standard-ERP-Einführung ist kein Innovationsgutschein-Fall; die Entwicklung einer neuartigen Maschinensteuerung schon.

Nicht förderfähig (in fast allen Bundesländern): Marktforschung ohne direkten Innovationsbezug, reine Unternehmensberatung und Management-Consulting, Standard-IT-Implementierungen, Investitionen in Maschinen oder Hardware, Eigenleistungen des antragstellenden Unternehmens, Reisekosten und allgemeine Overheadkosten des Dienstleisters.

5Förderfähige Dienstleister: Wo Sie die richtigen Partner finden

Die Wahl des richtigen Dienstleisters ist der Schlüsselfaktor beim Innovationsgutschein — und der häufigste Engpass in der Praxis. Nicht jeder Berater oder jedes Ingenieurbüro ist automatisch förderfähig.

Automatisch förderfähig (in allen Bundesländern): Staatliche Universitäten und Fachhochschulen, Fraunhofer-Institute (76 in Deutschland), Leibniz-Gemeinschaft, Helmholtz-Zentren, Max-Planck-Institute, Steinbeis-Zentren (über 1.100 bundesweit). Diese Institutionen sind die erste Anlaufstelle — sie kennen Innovationsgutscheine, haben Erfahrung mit Anträgen und können oft Projektbeschreibungen formulieren helfen.

Private Dienstleister — Voraussetzungen: Mindestens 2 festangestellte Mitarbeiter mit Hochschulabschluss in Ingenieur- oder Naturwissenschaften, nachweisbare FuE-Tätigkeit (Publikationen, Patente, frühere geförderte Projekte). Manche Bundesländer führen Listen akkreditierter privater Anbieter — z.B. BW und Sachsen. Nicht akkreditierte Anbieter müssen ihre Eignung im Antrag nachweisen.

Patentanwaltskanzleien: Für Schutzrechtsrecherchen und Patentierungsberatung sind zugelassene Patentanwälte automatisch förderfähig — kein Nachweis der FuE-Eignung nötig. Das macht Patentrecherchen zu einem besonders einfachen Einstieg in den Innovationsgutschein.

Tipp Dienstleister finden: Die Steinbeis-Transfer GmbH (steinbeis.de) hat über 1.100 Transferzentren in ganz Deutschland, sortiert nach Technologiefeld. Fraunhofer hat unter fraunhofer.de eine Suchmaschine nach Kompetenzfeldern. Für Hochschulkontakte hilft die KOINNO-Plattform des Bundeswirtschaftsministeriums. Fragen Sie auch Ihre IHK oder Handwerkskammer — beide führen Listen regionaler Innovationspartner.

6Drei Rechenbeispiele: Wie der Innovationsgutschein in der Praxis funktioniert

Rechenbeispiel 1 — Maschinenbauer aus Baden-Württemberg (18 MA): Idee: Neue Lösung für die automatische Qualitätskontrolle bei Präzisionsfrästeilen. Externer Dienstleister: Fraunhofer IPA Stuttgart (Machbarkeitsstudie + Sensorik-Konzept). Kosten: 14.500 €. Förderung: Innovationsgutschein BW Basic, 50 % = 7.250 €. Eigenanteil: 7.250 €. Bearbeitungszeit Antrag: 5 Wochen. Ergebnis: Technisches Konzept, das direkt in einen ZIM-Projektantrag eingeflossen ist — dort folgte eine Förderung von 320.000 € für die tatsächliche Entwicklung.

Rechenbeispiel 2 — Lebensmittelhersteller aus Thüringen (35 MA): Idee: Neue Verpackungslösung aus biobasiertem Kunststoff für Tiefkühlprodukte. Externer Dienstleister: Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK), Rudolstadt. Kosten: 19.000 €. Förderung: Thüringer Innovationsgutschein, 50 % = 9.500 € (max. 10.000 €). Eigenanteil: 9.500 €. Ergebnis: Werkstoffspezifikation und Prototyp, der patentiert wurde — die Patentierungskosten wurden über einen separaten BW-Gutschein bei einem anderen Produkt gedeckt.

Rechenbeispiel 3 — Softwareunternehmen aus Brandenburg (12 MA): Idee: KI-gestützte Anomalieerkennung für industrielle IoT-Geräte. Externer Dienstleister: Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus, Fachgebiet Datenwissenschaften. Kosten: 28.000 € (2 Phasen à 14.000 €). Förderung Phase 1: Innovationsgutschein Brandenburg, 50 % = 14.000 € (Maximalgrenze ausgeschöpft). Phase 2: EFRE Brandenburg Innovationsförderung, weitere 40 % = 5.600 €. Gesamtzuschuss: 19.600 € von 28.000 € = Förderquote 70 %.

Tipp: Teilen Sie große Projekte in Phasen auf. Viele Bundesländer erlauben mehrere aufeinanderfolgend Innovationsgutscheine — entweder für dasselbe Projekt in verschiedenen Phasen, oder für verschiedene Projekte. So können Sie die Gutschein-Maximalbeträge mehrfach ausschöpfen.

7Antragstellung: Schneller als jedes andere Förderprogramm

Der Innovationsgutschein ist bewusst auf Schnelligkeit und Einfachheit ausgelegt. Der Antrag ist in den meisten Bundesländern vollständig online und auf 2–5 Seiten beschränkt.

Typische Bestandteile des Antrags: Kurzbeschreibung des Innovationsvorhabens (oft nur 500–1.000 Zeichen), Beschreibung des externen Dienstleisters und seiner Qualifikation, Kostenvoranschlag des Dienstleisters (als Anhang), Angaben zum Unternehmen (MA-Zahl, Umsatz, Branche), Erklärung zur KMU-Eigenschaft. Das war es — kein Businessplan, kein detaillierter Finanzierungsplan, kein Risikobericht.

Bearbeitungszeit: 4–8 Wochen in den meisten Bundesländern. Baden-Württemberg rühmt sich mit durchschnittlich 4 Wochen — was im Vergleich zu anderen Förderprogrammen rekordverdächtig ist. Sachsen und Brandenburg liegen bei 6–8 Wochen.

Vorantrags-Pflicht gilt auch hier: Auch beim Innovationsgutschein dürfen Sie den Dienstleister erst nach dem Förderbescheid beauftragen. Ein vorab abgeschlossener Vertrag mit dem Dienstleister disqualifiziert das Vorhaben. Ein Kostenvoranschlag des Dienstleisters ist jedoch zulässig — und für den Antrag nötig.

Verwendungsnachweis: Nach Abschluss der geförderten Leistung und Bezahlung des Dienstleisters reichen Sie den Verwendungsnachweis ein — mit Rechnung, Zahlungsbeleg und kurzem Ergebnisbericht (oft 1–2 Seiten). Danach kommt die Auszahlung. Manche Bundesländer zahlen nach Einreichung des Verwendungsnachweises innerhalb von 4 Wochen aus.

Wichtig: In vielen Bundesländern läuft die Antragstellung über ein Online-Portal, das regelmäßig gewartet wird oder neue Förderaufrufe erhält. Prüfen Sie vor dem Antrag, ob der Gutschein aktuell beantragt werden kann — manche Programme haben feste Antragsrunden (z.B. quartalsweise Öffnung in Thüringen und Brandenburg).

8Innovationsgutschein mit anderen Programmen kombinieren

Der Innovationsgutschein ist als De-minimis-Beihilfe eingestuft und zählt auf die 300.000-€-Grenze in 3 Jahren an. Das schafft aber kaum Einschränkungen — denn die Gutschein-Beträge sind so niedrig, dass die De-minimis-Grenze selbst bei mehreren aufeinanderfolgenden Gutscheinen selten ausgereizt wird.

Innovationsgutschein als Vorphase zu ZIM: Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) fördert aufwendige FuE-Projekte mit 300.000–2.000.000 € — aber ZIM-Anträge brauchen ein solides technisches Fundament. Unternehmen, die zuerst eine Machbarkeitsstudie über den Innovationsgutschein finanzieren, können das Ergebnis direkt als Grundlage für den ZIM-Antrag verwenden. Das erhöht die Erfolgsquote erheblich — und ZIM-Geld zählt nicht auf De-minimis an, da es als FuE-Beihilfe klassifiziert ist.

Innovationsgutschein + Forschungszulage: Die Forschungszulage (steuerlich, 25 % aller FuE-Personalkosten) und der Innovationsgutschein fördern verschiedene Kostenpositionen — externe Leistungen (Gutschein) vs. eigene Personalkosten (Forschungszulage). Beide können für dasselbe Innovationsprojekt gleichzeitig genutzt werden.

Innovationsgutschein + BAFA-Unternehmensberatung: BAFA fördert allgemeine Unternehmensberatung mit bis zu 80 % — und Innovationsgutscheine fördern spezifisch technische Innovationsleistungen. Beide Programme decken verschiedene Leistungsarten ab und können ohne Kumulierungsprobleme kombiniert werden.

Tipp Timing: Stellen Sie Innovationsgutschein-Antrag und ZIM-Antrag zeitlich so, dass die Machbarkeitsstudie aus dem Gutschein abgeschlossen ist, bevor Sie das ZIM-Begutachtungsgespräch haben. Die Ergebnisse der Studie sind Ihr stärkstes Argument gegenüber den ZIM-Gutachtern.

9Häufige Fehler beim Innovationsgutschein — und wie Sie sie vermeiden

Fehler 1 — Dienstleister vor dem Bescheid beauftragen: Auch hier gilt die absolute Vorantrags-Pflicht. Ein schriftlicher Auftrag an den Dienstleister — auch eine E-Mail mit "wir beauftragen Sie" — vor dem Förderbescheid disqualifiziert das Vorhaben vollständig. Kostenvoranschläge und unverbindliche Projektgespräche sind erlaubt.

Fehler 2 — Nicht förderfähigen Dienstleister gewählt: Manche Bundesländer haben akkreditierte Dienstleisterlisten — wer einen Anbieter wählt, der nicht auf der Liste steht und dessen Qualifikation im Antrag nicht überzeugend nachgewiesen wird, riskiert Ablehnung. Kontaktieren Sie im Zweifel die Antragshotline des Landes und fragen Sie explizit nach Ihrem geplanten Dienstleister.

Fehler 3 — Zu breite Projektbeschreibung: Die Kurzbeschreibung des Vorhabens ist das Kernstück des Antrags. Viele Antragsteller schreiben zu allgemein ("Wir wollen innovativer werden") statt konkret ("Wir lassen von der HS Esslingen prüfen, ob eine piezoelektrische Aktorik bei unserer Schneidanlage die Positioniergenauigkeit von 0,1 mm auf 0,01 mm verbessern kann"). Konkrete technische Fragestellungen haben deutlich höhere Bewilligungsquoten.

Fehler 4 — Verwendungsnachweis-Frist versäumt: Die geförderte Leistung muss innerhalb eines bestimmten Zeitraums nach Bewilligung abgeschlossen und der Verwendungsnachweis eingereicht werden (je nach Bundesland 6–18 Monate). Wer den Dienstleister erst Monate nach Bescheiderhalt beauftragt, kann in Zeitnot geraten. Beauftragen Sie den Dienstleister innerhalb von 4 Wochen nach Bescheid.

Wichtig: Stellen Sie bei Ablehnung einen Widerspruch. Die Ablehnungsquoten für Innovationsgutscheine liegen zwar unter 20 % — aber in BW und einigen anderen Ländern können Sie gegen eine Ablehnung innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen und eine überarbeitete Projektbeschreibung nachreichen. Viele Ablehnungen sind auf unklare Formulierungen zurückzuführen, nicht auf fehlende Förderfähigkeit.

10Innovationsgutschein als Sprungbrett: Was danach möglich ist

Der Innovationsgutschein ist selten der letzte Schritt — er ist fast immer der erste. Unternehmen, die einen Innovationsgutschein genutzt haben, berichten in Nachbefragungen zu über 60 %, dass das Ergebnis zu weiteren Investitionen oder Förderanträgen geführt hat.

Pfad 1 — ZIM-Anschlussförderung: Die Machbarkeitsstudie aus dem Innovationsgutschein bildet die Grundlage für einen ZIM-Antrag (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand). ZIM fördert die eigentliche Entwicklung mit 45–60 % — typische Projektvolumina 200.000–2.000.000 €. Die Bewilligungsquote für ZIM-Anträge mit solider Vorarbeit liegt deutlich über dem Durchschnitt.

Pfad 2 — EFRE-Innovationsförderung: Nach einem ersten erfolgreichen Innovationsprojekt öffnen sich in vielen Bundesländern die Türen für größere EFRE-Innovationsprogramme — mit Fördersätzen von 50–70 % und Projektvolumina bis zu 500.000 €.

Pfad 3 — Patentierung und Schutzrechtsstrategie: Wenn die externe FuE zu einem patentierbaren Ergebnis führt, können die Patentierungskosten teils über Folgegutscheine (BW Premium) oder die DPMA-Förderung für KMU (Deutsches Patent- und Markenamt, bis 50 % der Anmeldegebühren) gefördert werden.

Pfad 4 — Kooperation verstetigen: Viele KMU nutzen den Innovationsgutschein als Einstieg in eine langfristige Forschungskooperation mit einer Hochschule. Diese Kooperationen führen zu gemeinsamen Projekten, gemeinsamen Patenten und erhöhtem Zugang zu öffentlichen FuE-Mitteln — ein nachhaltiger Innovationsvorteil, der mit einem 7.500-€-Gutschein beginnt.

Tipp: Sprechen Sie nach Abschluss des Gutschein-Projekts aktiv mit dem Dienstleister über mögliche Folgeprojekte — und fragen Sie, ob er Erfahrung mit ZIM-Kooperationsprojekten hat. Fraunhofer und Steinbeis-Zentren sind routiniert darin, ZIM-Anträge gemeinsam mit Unternehmenspartnern zu stellen.

11Checkliste: Bin ich der richtige Kandidat für den Innovationsgutschein?

Mit dieser Checkliste prüfen Sie in 5 Minuten, ob der Innovationsgutschein für Sie infrage kommt — und wenn ja, welches Bundesland-Programm das richtige ist.

Grundvoraussetzungen (alle müssen zutreffen): Ihr Unternehmen hat einen Betriebssitz in Deutschland. Sie haben weniger als 250 Mitarbeiter und maximal 50 Mio. € Jahresumsatz (KMU-Definition). Sie möchten einen externen Dienstleister (Hochschule, Forschungsinstitut, Ingenieurbüro) für ein technisches oder innovatives Vorhaben beauftragen — und haben noch keinen Vertrag abgeschlossen.

Ihr Vorhaben ist gut geeignet, wenn: Sie eine konkrete technische Frage haben, die externe Expertise erfordert ("Können wir Bauteil X aus Material Y fertigen?", "Welche Sensortechnik eignet sich für Anwendung Z?"). Oder: Sie eine neue Produktidee haben und wissen wollen, ob sie marktfähig und technisch realisierbar ist. Oder: Sie ein neues Produkt entwickeln und für den EU-Markt CE-kennzeichnen müssen — und externe Normungsberatung brauchen.

Ihr Vorhaben ist weniger geeignet, wenn: Sie nur allgemeine Unternehmensberatung (Strategie, Marketing, Finanzen) suchen — dafür ist die BAFA-Beratungsförderung das richtige Instrument. Oder: Sie Maschinen kaufen wollen — dafür gibt es GRW, KfW oder EFRE-Investitionsprogramme. Oder: Sie eigene Mitarbeiter für FuE-Arbeit einsetzen wollen — dafür ist die Forschungszulage das richtige Instrument.

Tipp abschließend: Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr Vorhaben passt — rufen Sie einfach an. Alle Antragshotlines der Landesförderbanken bieten kostenlose Vorabberatungen an, und die Berater sagen Ihnen in 10 Minuten, ob Ihr Vorhaben förderfähig ist. Diese 10 Minuten können bis zu 20.000 € wert sein.

Ihre nächsten Schritte

  1. 1Prüfen Sie, ob Ihr Bundesland aktuell Innovationsgutscheine vergibt — und ob der Förderaufruf offen ist. Abonnieren Sie den Newsletter der Landesförderbank.
  2. 2Kontaktieren Sie ein Steinbeis-Zentrum oder eine Fachhochschule in Ihrer Region: Beschreiben Sie Ihr technisches Problem in 3 Sätzen und fragen Sie nach einem Kostenvoranschlag für eine Machbarkeitsstudie.
  3. 3Stellen Sie den Antrag, sobald Sie einen Kostenvoranschlag des Dienstleisters haben — beauftragen Sie ihn erst nach dem Förderbescheid.
  4. 4Planen Sie von Anfang an den nächsten Schritt: Wenn die Studie positiv ausfällt, welches Programm (ZIM, EFRE, Forschungszulage) soll die eigentliche Entwicklung finanzieren?
  5. 5Nutzen Sie den FörderPilot-Check für eine vollständige Übersicht aller Innovationsprogramme, die für Ihre Branche und Ihr Bundesland infrage kommen.

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Hinweis: FörderPilot bietet eine unverbindliche Ersteinschätzung. Die Ergebnisse ersetzen keine professionelle Fördermittelberatung. Förderbedingungen ändern sich regelmäßig — bitte prüfen Sie aktuelle Konditionen bei den offiziellen Förderstellen vor der Antragstellung.